Misa a Buenos Aires

für Mezzosopran, gemischten Chor, Bandoneon, Klavier und Streichorchester

Cuarteto Rotterdam & Martín Palmeri (2009)

Cuarteto Rotterdam & Martín Palmeri (2009)

Der Tango ist nicht einfach ein Tanz, er ist ein mit Emotionen aufgeladener Mythos. Immer schwingt etwas mit, sobald von ihm die Rede ist und erst recht, wenn er musiziert und getanzt wird – Leidenschaft, Schmerz, Wehmut, ein Hauch Verruchtheit… Die Kraft des Tangos liegt darin, dass er Schmerz in Energie verwandelt, sagen Eingeweihte. Nahezu überall auf der Welt kennt man ihn und tanzt man ihn. Inzwischen ist er sogar Weltkulturerbe. Einen langen Weg hat dieser Tanz hinter sich: Entstanden ist er Ende des 19. Jahrhunderts in den Arbeitervierteln von Buenos Aires, in denen die vielen Kulturen derer verschmolzen, die eingewandert waren, um hier ihr Glück zu suchen. Unzählige scheiterten und suchten Trost im Alkohol, bei den Huren, beim Tango. Der argentinischen Oberschicht galt er als anrüchig. Erst als man den Tango überall auf der Welt tanzte, fand er seinen Weg auch in die vornehmeren Tanzsalons seiner „Heimat“. Jede Musikergeneration hat den Tango geformt und verändert. Spätestens mit Astor Piazzollas Tango Nuevo wurde er zur komplexen Kunstmusik erhoben. Doch lässt er sich auch zur sakralen Musik läutern?

Martín Palmeri lässt es mit seiner „Misa a Buenos Aires. Misatango“ auf einen Versuch ankommen. Das 1996 komponierte Stück ist in der formalen Anlage eine „klassische“ Vertonung des Ordinarium missae, der unabhängig vom kirchlichen Anlass feststehenden Messteile Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Auch im Detail finden sich mit homophonem und polyphonem Satz die gängigen Formprinzipien. Hört man genau hin, erkennt man bisweilen sogar Anklänge an Bach. Stilistisch ist das Stück allerdings stark vom argentinischen Tango Nuevo inspiriert und greift dessen typische harmonische Merkmale und rhythmische Figuren auf. Mit der Instrumentierung für Streichorchester, Klavier und Bandoneon spielt Palmeri auf das klassische Tangoorchester an, der typische „Tangosound“ ist auch hier unüberhörbar. Herz und Seele des Tangos lässt Palmeri in sein Stück einfließen. Das Ergebnis: eine tangofarbige Messe oder ein spiritueller Tango – der Hörer mag entscheiden…

Martín Palmeri

Komponist, Pianist, Chor- und Orchesterleiter. Geboren im Jahr 1965 in Buenos Aires. Er studierte Komposition bei Daniel Montes, Marcelo Chevalier, Rodolfo Mederos, Virtú Maragno und Edgar Grana (New York), Chorleitung bei Antonio Russo und Néstor Zadoff, Orchesterleitung bei Mario Benzecry, Gesang bei Amalia Estévez und José Crea sowie Klavier bei Eduardo Páez und Orlando Trípodi.

Als Chorleiter war er im Chor der juristischen Fakultät (UBA), im kommunalen Polyphonie-Chor Vicente López, im Stimmensemble „Sospir“, in der Schule „Esclavas del Sagrado Corazón de Jesús“ in Belgrano, in der argentinischen „Modelo“-Schule, in der Musikschule Buenos Aires sowie im „Vocal del Quartier“ (Paraná) tätig.

Er hat viele Chor- und Instrumentalwerke sowie Opern geschrieben. Dazu gehören unter anderem der „Tango del Bicentenario“, aufgeführt vom Sinfonieorchester Qatar, der „Canto de la lejanía“ („Gesang der Weite“), der im Jahr 2010 vom Chor Buenos Aires aufgeführt wurde, das „Weihnachtsoratorium“, 2003 in der juristischen Fakultät der UBA aufgeführt, die Oper „Mateo“, deren Uraufführung 1999 im Teatro Roma in Avellaneda erfolgte und für den staatlichen Rundfunk in Bratislava (Slowakei) aufgenommen wurde, außerdem die „Fantasía tanguera“ („Tangofantasie“) mit Uraufführung in St. Petersburg, Russland (2000), „Presagios“ („Vorzeichen“), aufgeführt in Matera, Italien (2001), das „Concierto para bandoneón“ („Konzert für Bandoneon“) im Theater Roma in Avellaneda (2004), das „Concierto de danzas“ („Tanzkonzert“), „Negro y negro“ („Schwarz und schwarz“) sowie „Sobre las cuatro estaciones“ („Über die vier Jahreszeiten“). In den letzten Jahren wurde er gebeten, die Interpretation seines Werkes „Misatango“ (Uraufführung 1996 durch das nationale Sinfonieorchester Kuba) in Deutschland, Argentinien, Österreich, Belgien, Brasilien, Chile, Ecuador, in der Slowakei, Spanien, den Niederlanden, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Russland, in der Schweiz und in den USA zu leiten und sich als Pianist daran zu beteiligen. Diese Arbeit wurde ausgewählt, um im Jahr 2009 Teil der Workshops des Festivals „Europa Cantat“ (Utrecht, Niederlande) zu sein. Es wurde von renommierten Dirigenten, Solisten und Orchestern in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt interpretiert.

Er gewann im Jahr 2011 den ersten Preis im AAMCANT-Wettbewerb für Chorbearbeitungen. Die staatliche Universität Rosario verlieh ihm 2010 den ersten Preis im nationalen Wettbwerb für Chorbearbeitungen. Der nationale Kulturfonds zeichnet ihn 2003 für sein „Tanzkonzert für Violoncello und Orchester“ mit dem ersten Preis in der Kategorie Sinfoniewerke des Wettbewerbs „Juan Carlos Paz“ aus. Mehrere seiner Kompositionen wurden in Italien, Lettland und Argentinien auf CD aufgenommen.

Er war mehrfach Jurymitglied im Eisteddfod-Wettbewerb der walisischen Gemeinde in Chubut (Argentinien).

Martín Palmeri – Misa A Buenos Aires

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