Cuarteto Rotterdam mit Leidenschaft

Für die Gäste des Heilbronner Tango-Clubs, die regelmäßig sonntags in der Ebene 3 sind, ist es ein ganz besonderer Abend. Doch auch die anderen Zuschauer erleben bei diesem Quartett das Außergewöhnliche. Mit Cuarteto Rotterdam spielte einer der erfolgreichsten europäischen Tango-Formationen ihre Mischung aus alten Klassikern und Tango Nuevo.
Sie kommen aus Holland und Deutschland, doch ihr Herz schlägt für Argentinien und seine von europäischen Einwanderern geprägte Musik. Nirgendwo sonst spielt man auf dem Kontinent so konzertante und ausgefeilte Musik, die von Melancholie bis hin zu Fröhlichkeit alles bietet. Cuarteto Rotterdam zeigte genau das.

Hohes Niveau

Mit dem Titelstücken ihrer neuen CD "Deleitante" lassen die Vier zu Beginn ihr hohes Niveau erahnen, und es geht ebenso hörenswert weiter. Ausgefeilte Arrangements, leidenschaftliche Soli von Susanne Welsch an der Violine und dynamische Einsätze von Judy Ruks am Flügel, die sich wundervoll ergänzen. Dazu noch Michael Dolak, der über seinem roten Tuch das Bandoneon auf den Beinen hat sowie - neu in der Formation - Tino Scholz am mächtigen Kontrabass.
Rhythmusinstrumente brauchen sie keine, denn das erledigen die Vier an ihren Instrumenten mit Bravour. Und so spielen sie die ganze Bandbreite des Tangos, von Milonga bis zum Tangowalzer, immer auf den Punkt, mit genauen Tempiwechseln und einem oft witzigen und unerwarteten Schluss. Natürlich kommt Astor Piazzolla mit "Romance del Diablo" zu Ehren, aber auch unbekanntere Vertreter des Tangos. Und weil es sich an diesem Abend um eine Milonga-Tanzveranstaltung handelt, wird in der Pause das Tanzbein geschwungen, eng, oft mit geschlossen Augen und ebenso leidenschaftlich wie die Musik.

Altersübergreifend

Im zweiten Teil darf direkt zur Musik getanzt werden, die anscheinend altersübergreifend wirkt. Von 30 bis über 60 ist alles vertreten und begeistert vom Quartett auf der Bühne. Ganz ohne Zugaben lässt man die hochkarätige deutsch-holländische Formation natürlich nicht von der Bühne. Schon gar nicht, wenn sie so in Spiellaune ist wie an diesem Abend.

Uwe Deecke
Heilbronner Stimme, 02.11.2009

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