Unbestreitbar ist das erste Album vom "Cuarteto Rotterdam" die CD des Monats. Der Name dieses im Jahre 2004 gegründeten Orchesters bezieht sich auf die Rotterdam Academy for world music, einem der besten Studienorte Europas für Tango. Außer Michael Dolak, dem Bandoneónisten, der mit dem Akkordeon begann, bevor er sich schnell dem Tango und dem Jazz widmete, haben die drei anderen Musikerinnen, Susanne Cordula Welsch, Geigerin, Judy Ruks, Pianistin, und Frances Dorling, Kontrabassistin, eine klassische Grundausbildung. Die Violinistin kam auch schon mit dem Jazz in Berührung.

Diesem Album gelingt es, den Gegensatz aufzuweichen, den Viele noch sehen zwischen dem Tango nach dem man tanzt, und dem den man sich anhört. Was die Piazzolla-Aufnahmen betrifft, so laden sie uns zunächst dazu ein, den Bewegungen der Seele den Vorzug zu geben, in denen der Körper dennoch natürlich nicht ganz abwesend ist. Die musikalische Ausbildung und die Auswahl der interpretierten Stücke sind dafür die Hauptzutaten. Ihre Anfänge als Tanzorchester haben sicherlich zur Dynamisierung Ihrer Interpretationen beigetragen. Das titelgebende Stück Yunta de Oro, geschrieben 1957, das das Album eröffnet, zeigt besonders stark die Spannung zwischen "Hören" und "Tanzen", darin gefolgt von der Wiedervertonung von Bordoneo y 900. Wir erinnern daran, dass diese beiden Instrumentalstücke von Osvaldo Ruggiero geschrieben wurden, dem ersten Bandoneónisten des Orchesters von Osvaldo Pugliese, seit dessen Gründung 1939 bis zum Jahr 1968, wo er seine eigene Formation zusammenstellte, das Sexteto Tango. Als großartiger Bandoneónist und Komponist war er der Dreh- und Angelpunkt in Puglieses Orchester.

Das Cuarteto Rotterdam sieht seine Wurzeln in zwei musikalischen "Hauptabstammungslinien": der von Pugliese und der von Piazzolla. Dabei bleiben sie dank Ihrer sehr umfassenden Ausbildung an der Musikhochschule, aber auch dank Ihrer musikalischen Intelligenz, anderen Einflüssen gegenüber offen. Jedenfalls vielen Dank für die Hommage an Ruggiero, mit dessen musikalischer Karriere sich einmal ein Biograph befassen sollte.

Die Interpretation des Walzers Desde el Alma wartet mit Arrangements auf, die, den Tanz nicht störend, das Hören der Tänzer ungemein bereichern. Schön, dass sie Milonga del serafin von Coco Nelegatti, über den wir unlängst berichtet haben, mit aufgenommen haben. Die Zartheit dieser Komposition markiert in diesem Album den "Bindestrich" zwischen der "pugliesischen" Kraft und der "piazzollanischen" Komplexität. Entdecken Sie selbst die auf dieser Platte enthaltenen Klassiker wie: Mi refugio, Bahia blanca, Danzarin, und einen Tango von Pugliese, Amorando, der bisher nur durch das Orchester Color Tango wieder aufgenommen wurde.

Zum guten Schluß, da ein Glück selten allein kommt: Applaudieren Sie ihnen live auf dem Festival Couleurs Tango 2009 im April, weil sie das Orchester Vale Tango, das seine Europatournee abgesagt hat, kurzfristig ersetzen.

La Salida, April-Mai 2009

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